Schloss Rheda

Die Tapetenzimmer

Fürst Emil zu Bentheim-Tecklenburg – Der Fürst und seine Gattin Fürstin Louise ließen Panoramatapeten im Schloss Rheda anbringen.
Zuber & Cie in Rixheim produziert als einzige der ehemals zahlreichen französischen Manufakturen seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts durchgehend handgedruckte Papiertapeten. Mit Ausnahme des Rixheimer Archivs der Firma Zuber wurden alle der ehemals vorhandenen Manufakturarchive zerstreut oder verloren. Deshalb ist es erstaunlich, dass in Rixheim durch Zufall eine Rechnung vom 19. April 1806 bewahrt wurde, die eine Aufstellung der Wandtapeten enthält, welche an Gräfin Bentheim, geborene Wittgenstein in Reda geliefert wurden.

In dem Dokument wurden die Tapeten einzeln aufgelistet: die Vues de Suisse, 12 Kariatiden, 24 Kapitelle und Basen, goldfarbene Friese und Architrave, eine purpurne Bordüre, goldfarbene Wandverkleidung mit marmorner Base und ein Model der gesamten Inneneinrichtung. Eine solche Lieferung aus Frankreich in das Ausland war nicht ungewöhnlich im frühen 19. Jahrhundert. Zuber und seine weniger bekannten Wettbewerber verschickten Tapeten an Kunden in ganz Europa und in Amerika.

 

Aus zeitgenössischen Beschreibungen und Abbildungen lässt sich die Auskleidung der eleganten Wohnungen, Häuser und Paläste des Empire mit Wandtapeten rekonstruieren. Wegen der Empfindlichkeit des Werkstoffes Papier und wegen der rasch wechselnden Moden sind kaum Raumensembles mit Bildtapeten des Biedermeier erhalten. Es grenzt an ein Wunder, dass die in dem Dokument von 1806 aufgeführten Tapeten nach wie vor in den ursprünglich für sie vorgesehenen Räumen auf Schloss Rheda zu sehen sind.

Vues de Suisse

 

Die Räume befinden sich im zentralen Hauptbau des Schlosses, der im 18. Jahrhundert errichtet wurde. Sie sind als zwei Raumfolgen von je zwei und vier Zimmern um den Rokokosaal des Schlosses, den sogenannten Weißen Saal, angeordnet. Das Kernstück ist das an den Weißen Saal angrenzende Landschaftszimmer, in dem sich eine hervorragend erhaltende Bildtapete mit den 1806 von Zuber & Cie publizierten Vues de Suisse des französischen Künstlers Pierre – Antoine Mongin (1761-1827) befindet. Gräfin Louise war einer der ersten Käufer der innovativen Tapete, die bei der Französischen Industrieausstellung von 1806 mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Die Schweizer Panoramalandschaft wird durch weibliche, kapitelltragende Kariatiden und architektonische Bordüren gerahmt, die noch heute in leuchtendem Gold und Purpur erstrahlen und den Besucher durch ihr prunkvolles Erscheinungsbild beeindrucken. Der architektonische Rahmen lenkt den Blick auf die idealisierte Schweizer Landschaft der Vues de Suisse, die sich in hellen Grün-, Türkis- und Erdtönen sowie mit Gold gegen den leuchtend blauen Himmel absetzt. Die auf einige wesentliche Erkennungsmerkmale beschränkte Darstellung einer Schweizer Landschaft setzt sich aus alpinen Bergreihen, Burgen, Almhütten, Gletschern, Seen, Flüssen und Bächen zusammen. Die einzelnen Elemente bilden separate, durch die rhythmische Wiederholung von Baumgruppen und Gebäuden unterteilte Tableaux. Aus der Bildfolge der untereinander verbundenen Taleaux entsteht eine in sich zusammenhängenden Panoramalandschaft. Figurengruppen mit Anglern, einem Jäger, einer Taufprozession, Bauern mit Kuhherden, Schafen, Eseln, und viele heimische und exotische Vögel beleben eine in sich ruhende Landschaft, die durch ihren Detailreichtum fasziniert.

Die kunstvolle Anbringung der Tapeten auf Augenhöhe unterstreicht die Wirklichkeitsnähe der Landschaftsdarstellung. Die Bilder wurden derart in den Raumecken gefaltet, dass der Eindruck eines lediglich durch die Türrahmen unterbrochenen, in sich zusammenhängenden Panoramas entsteht. Es mag sein, dass der Panoramaeffekt nicht durch Zufall angestrebt wurde. Spätestens seit der Errichtung der übergroßen, mit Kunstlicht beleuchteten Rotunden im Pariser Stadtteil Montmartre zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in denen als Panorama ausgemalte, gigantische Landschaftsbilder ausgestellt wurden, waren diese in ganz Europa modern. Vor den Panoramas in Montmartre ging eine romantische Faszination aus, die von Jean Jacques Rousseau als Augenweide beschrieben wurde, von der ein undefinierbarer Hauch von Magie und Übernatürlichkeit ausgeht, welche den Geist und die Sinne anregt. Man vergisst die Welt, man vergisst sich selbst, man weiß nicht mehr, wo man ist.[i] Ein ähnlicher Effekt in Miniatur wurde im Landschaftszimmer von Schloss Rheda hergestellt. Es ist leicht vorstellbar, dass in der Zeit vor den visuellen Medien wie Kino und Fernsehen eine große Faszination von Bildtapeten ausging. Nicht umsonst wurde das Landschaftszimmer oft als Hauptattraktion von Schloss Rheda dargestellt.

 

Die Darstellung ferner Länder wurde neben der rein visuellen Erfahrung als bildungsfördernd geschätzt und als wichtige Funktion der Bildtapeten angepriesen. Deshalb legte man Wert darauf, dass in den einzelnen Bilddarstellungen tatsächlich Ansichten aus der Schweiz und teils historisch bedeutende Orte wie beispielsweise das Schloss Grandson abgebildet wurden. Auch pittoreske Landschaften wie das Oberhaslital, die Umgebung der Burg Ringenberg am Brienzer See, der Furkapass und die Teufelsbrücke durften dargestellt werde. Der Hersteller legte der Lieferung meist eine Beschreibung der einzelnen Ansichten bei. In der Broschüre von Dufour für Les Sauvages de la mer Pacifique wurde die Verbindung von Bildung und Genuss als wichtiges Verkaufsargument hervorgehoben:

 

Wir waren der Ansicht, dass man uns dafür dankbar sein würde, dass wir eine Vielzahl von Völkern (auf den Bildtapeten) versammelt haben, welche von uns sonst nur über die fernen Ozeane zu erreichen sind, so dass der gemütlich in seinem Sessel sitzende, (ideelle) Reisende um sich schauen kann um sich so die verschiedenen Personen zu vergegenwärtigen. Er vergleicht den Text mit den Gemälden, (…)

 

und folgt den einzelnen Details der Erzählung mit großem Interesse, welches noch gesteigert wird durch die reliefartige Ansicht, wenn man diesen Ausdruck verwenden darf, und durch den Glanz der frischen und wohlgewählten Farbenpracht.

 

Auf eine genussvolle Art konnte der Betrachter die realistische Ansicht von pittoresken Landschaften in fernen oder exotischen Ländern als ideelle Reise erleben. Man kann sich leicht vorstellen, dass die Betrachtung solch eindrucksvoller Landschaften so manchen Zeitgenossen für eine Reise in das dargestellte Land begeistert haben mag. Vielleicht hat sich Gräfin Louise nach sechsjähriger Betrachtung ihrer Landschaftstapete zu ihrer Schweizreise von 1812 anregen lassen. Es wäre ein interessanter Ansatz für zukünftige Forschungen, die Reiseroute der Gräfin mit den auf der Vues de Suisse abgebildeten Orten zu vergleichen, um so die Wirkung ihrer vorigen, imaginären Reise auf ihre Vorstellungswelt nachzuvollziehen.

 

Die Französischen Manufakturen veröffentlichten Bildbeschreibungen zur Vermarktung ihrer Tapeten. Aus den Beschreibungen geht der hohe künstlerische Anspruch von Unternehmern wie Dufour hervor, der Landschaftstapeten als Gemälde bezeichnete, und damit für seine Produkte den Status eines Kunstwerkes beanspruchte. Zuber behauptete in der Broschüre von La Grande Helvétie, dass die einzelnen Bilder nach der Natur gemalt worden seinen. Er suggerierte seinen Zeitgenossen, dass Akademiekünstler im Auftrag der Tapetenmanufakturen alle Winkel der Erde bereisten, um Tapetenentwürfe nach der Natur zu zeichnen. Zweifelsohne wollte auch Zuber seinen Kunden glaubhaft machen, dass die Bildtapeten ein Produkt großer künstlerischer Schöpferkraft darstellten. Es ist gleichwohl erwiesen, das die Manufakturen kaum je ausgebildete Künstler beschäftigten. Pierre-Antoine Mongin war eine seltene Ausnahme. Jedoch selbst Mongin hat die Schweizer Berge nie gesehen. Ohne Patentschutz war es den Herstellern ein leichtes, zeitgenössische Stiche als Vorlage für die Panoramalandschaften zu verwenden. Der Produktionsablauf der Vues de Suisse lässt sich aus den Dokumenten im Zuberarchiv im Detail rekonstruieren. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Mongin 1802 von seinem Auftraggeber Jean Zuber ein Stapel von Stichen überlassen wurde, um sich mit der besonderen Form der Schweizer Landschaft bekannt zu machen. Es sei ihm ein leichtes, die Stiche zu einem angenehmen Bild anzuordnen. Ein Großteil der Vorlagen der Vues de Suisse wurden in den letzten Jahren identifiziert. Es handelt sich um Vues remarquables des montagnes suisses (1785) von Barbierl’Aine und Charles-Melchior Descourtis, den Helvetischen Almanach (1801) vonNicklaus König, Costumes du canton de Zug von Heinrich Ritter and Vierzehn Ansichten imOberland (1796) von Samuel Weibel. Die einzelnen Stiche wurden in die Panoramalandschaft der Vues de Suisse als einheitliche Landschaftsszenerie integriert. Dabei steht Mongins artistisches Geschick und sein sicherer Geschmack außer Zweifel. Die wirkliche Leistung der Manufaktur liegt jedoch weniger im künstlerischem Anspruch, als in der ausgefeilten Technik, ohne die das beindruckende Bildwerk in seiner heutigen Form nicht hätte entstehen können. Für dessen Herstellung wurden 1024 hölzerne Blöcke angefertigt, um den Handwerkern zu ermöglichen, 95 Farben auf sechzehn 67,5 cm breiten Papierrollen aufzubringen.[ii] Es ist also leicht verständlich, dass die Hersteller dieser großflächigen Bildwerke um Anerkennung als Kunstproduzenten buhlten, die ihnen von ihren Kunden eher gewährt wurde, als von den gestrengen Jurys der Pariser Kunstsalons.

Schlafzimmer

 

Der Verfasser der Rechnung von 1806 beschrieb die drei weiteren Zimmer als weniger aufwendig gestaltet. Dabei bezieht er sich auf die ornamentalen Tapeten, die in den Nachbarräumen zu sehen sind . Aus heutiger Sicht steht diese Wanddekoration der Bildtapete in keiner weise nach. Die Kunstfertigkeit des Designs, die technische Vollendung des Druckwerks und die geschmackvolle Zusammenstellung der verschiedenen Dekorationselemente bekunden ein herausragendes Kunstverständnis. Der tromp l’œil Effekt, welcher in der Dekoration des ehemaligen Schlafzimmers neben dem Landschaftszimmer angestrebt wird, ist dafür das beste Beispiel. Die Tapete bildet mit einfachen Mitteln den Faltenwurf eines dunkelgrünen, mit Akanthusmustern und einer Goldbordüre verzierten Wandbehangs nach. Das Motiv wurde mit Bedacht ausgesucht. Gräfin Louise wählte eine Imitation der Wanddraperien nach dem berühmten Vorbild des Schlafgemachs von Madame Racamier, welches 1798 von den Staatsarchitekten des Kaisers Napoleon, Charles Percier und Pierre F. L. Fontaine entworfen wurde. Das mit hellen Seidendraperien ausgestattete Zimmer galt als Inbild der eleganten Raumgestaltung. Es ist kein Zufall, dass hier anstatt eines hellen Tons dunkles grün als dominante Farbe für das Schlafzimmers gewählt wurde. Die Farbtheoretiker des Biedermeier schrieben den einzelnen Farben Eigenschaften zu, welche häufig bei der Inneneinrichtung berücksichtigt wurden. Grün galt als beruhigend und deshalb besonders geeignet für Schlafräume.[iii] Die Imitation des Seidenstoffs war einerseits billiger als echte Seide, anderseits auch einfacher zu pflegen, da sich in den Falten der Stoffdraperien schnell Staub und Unrat sammelte. Vielleicht haben die praktischen Vorteile der Tapete gegenüber den Wandbehängen zu der raschen Verbreitung beigetragen. Im Journal des Inventions von 1797 wird die Sauberkeit, die Frische und die Eleganz der Papiertapeten, die den schweren und altmodischen Wandbehängen aus Stoff vorzuziehen sind, angepriesen, zumal sie als weniger anfällig für Insektenbefall galten. Die französische Mode für Papiertapeten war ohne große Verzögerung in Deutschland angekommen. Deren Interpretation durch die Gräfin Louise wird in der Inneneinrichtung von Schloss Rheda wieder lebendig. Sie erlaubt uns einen Einblick in den Geschmack an einem kleinen Hof des frühen Biedermeiers in Westfalen.

Grisaillenzimmer

 

Nach dem Schlafgemach findet der Besucher nebenan im Grisaillenzimmer eine weitere außergewöhnliche Tapete vor, die mit ihrer schlichten Farbgestaltung den vorigen Räumen einen Kontrast entgegensetzt. Der zarte, blaugrüne Hintergrund der Wandtapete und die subtilen Grautöne der fünf steinfarbenen Figurengruppen mit Allegorien der Jahreszeiten spiegelt die Vorliebe des Biedermeiers für zurückhaltende und elegante Farbtöne wieder. Die symmetrische Anordnung der Figurengruppen , die durch ein weiß, purpurn und goldenes Fries gerahmt werden, geben dem Raumensemble eine in sich ruhende Atmosphäre. Die Bildsprache des Grisaillenzimmers geht auf Percier und Fontaine zurück, die mit Recueil des décorations intérieures (1801) eine Abhandlung über ihre wichtigsten Entwürfe zwischen 1797 und 1798 publiziert hatten, welche einen großen Einfluss auf den zeitgenössischen Geschmack ausübte. Das Werk enthält eine detailreiche Darstellung des Schlafzimmers von Citoyen V. (Abb. 13) mit Abbildungen von allegorischen Reliefskulpturen, welche den Rhedaer Figurengruppen sehr ähneln und wahrscheinlich als deren Vorlage dienten. Auch die Anordnung der Friese, der einzelnen Figuren und die gesamte Raumaufteilung scheint auf das Vorbild der Abbildung 13 zurückzugehen, so dass die Annahme nahe liegt, dass Zuber mit der Erstellung einer Kopie des Schlafzimmers von Citoyen V. beauftragt worden war. Lediglich die Größe des Raumes in Rheda scheint Zuber Schwierigkeiten bereitet zu haben. Ohne Rücksicht auf didaktische Irrigkeiten wurde eine Wiederholung der Frühlingsallegorie in Kauf genommen, um die großzügig zugeschnittenen Wände zu füllen. Wir können jedoch annehmen, dass die Eleganz und Distinktion des Raumensembles den Auftraggeber für die Unstimmigkeit des allegorischen Zyklus’ entschädigt haben wird.

Maiszimmer

 

Den Abschluss der Raumfolge bildet das Maiszimmer, welches durch ungewöhnliche Pflanzendarstellungen besticht. Die mit einem neoklassischen Fries gerahmten, lebensgroßen Maispflanzen, welche zwischen roten Beerenfrüchten emporwachsen, sind in einer betont ornamentalen Darstellungsweise in gleichen Abständen vertikal angeordnet. Spitze Blätter stehen in gleichem Winkel diagonal abwechselnd rechts und links vom Pflanzenstängel ab. Der hellblaue Himmel im Hintergrund bildet ein einen starken Kontrast zu dem dunklen Blaugrün der Maisblätter und dem Rot der Beeren. Es ist erstaunlich, die Maispflanze als ornamentales Dekorationselement im Privatappartement von Gräfin Louise vorzufinden, da sie nach ihrer Einführung in Europa im 16. Jahrhundert bereits zu den gewöhnlichen und wohlbekannten Nutzpflanzen gehörte, die um 1800 wohl kaum noch als exotisch empfunden wurden. Möglicherweise hat die Darstellung des Grundnahrungsmittels Mais eine symbolische Bedeutung im Zusammenhang mit der Herrscherpflicht des souverainen Grafen zu Bentheim-Tecklenburg zur Vorsorge für das leibliche Wohlergehen der Bevölkerung. Auf die Ernährung der Bevölkerung wird auch im Portrait der Heiligen Elisabeth von Thüringen bezug genommen, welches die Stuckdecke des Maiszimmers ziert, die bereits Mitte des 18. Jahrhunderts eingebaut worden war. Die Heilige, die im Grafenhaus als entfernter Vorfahr eine gewisse Bedeutung gehabt haben mag, zog sich durch das geheime Verteilen von Nahrungsmitteln unter den Bedürftigen den Unwillen ihres Gatten zu, und musste für ihre Barmherzigkeit mit dem Leben bezahlen. Das Heiligenbild mit den aus der Schütze herausfallenden Rosenblüten ist ein Symbol der Wohltätigkeit, die auch in dem reformierten Glauben der Gräfin Louise einen wichtigen Stellenwert hatte. Deshalb kann auch die Maispflanze in diesem Zusammenhang als ein Wohltätigkeitssymbol verstanden werde. Die Wahl der Tapetendekoration des Maiszimmers ist möglicherweise eine Anspielung der Gräfin auf die bereits vorhandenen Rokokostuckaturen der Vorgängergeneration, sowie auf deren religiöses Wertesystem.

 

Die Tapetenzimmer von Schloss Rheda sind ein kaum bekanntes Kleinod des Biedermeier. Die Wandtapeten sind noch heute in druckfrischem Zustand erhalten. Die Darstellung der Schweiz in der Bildtapete Vues de Suisse im Landschaftszimmers illustriert mit einer Verbindung von Eleganz, Unterhaltung und Bildungsstreben den Geschmack des frühen 19. Jahrhunderts in Deutschland. Eleganz und Distinktion strahlt auch das grüne Schlafgemach aus, welches ein berühmtes Pariser Raumensemble der Madame Reklamier nachbildet. Den napoleonische Stil finden wir auch im Grisaillenzimmer wieder, das nach dem Vorbild von Percier und Fontaines Entwürfen für das Schlafzimmer des Citoyen V. gestaltet wurde. Das Maiszimmer ist das ungewöhnlichste Raumensemble der Rhedaer Tapetenzimmer, in dem die symbolische Darstellung lebensgroßer Maispflanzen den Besucher an die christliche Pflicht der Nächstenliebe erinnert. Die Tapetenzimmer in Rheda sind ein vollständig erhaltenes Beispiel für die einmalige Ausstrahlung und Eleganz der Raumdekorationen der französischen Manufaktur Zuber & Cie. aus Rixheim. Der hier vorliegende Artikel soll ein Ansporn für weitere Forschungen über die Rhedaer Tapetenzimmer sein. Ein Großteil der Quellen über den Auftraggeber, die Manufaktur und die Bildsprache sind noch immer in den diversen Archiven verschlossen und warten auf eine ausführliche Auswertung.

 

[i] Francois Robichon, From Panoramas to Panoramic Wallpaper, S. 165 in French Scenic Wallpaper 1795-1865(Paris, 2000)

[ii] Sabine Thümmler, Die Geschichte der Tapete, p. 105 (Eurasburg, 1998)

[iii]Nicola Le Camus de Mézières, Le Génie de l’Architecture où l’Analogie de cet Art avec nos Sensations(1781) in Sabine Thümmler, op. cit.S. 90

iv Sabine Thümmler, Tapetenkunst, p. 69 (Wolfratshausen, 2000)